11. FEBRUAR 2010

Netzwerk "Erfolgreiches Lernen"

Unter dem Motto "Voneinander lernen und die Erfahrungen anderer nutzen" arbeitete in Schleswig-Holstein zwei Jahre lang ein Netzwerk aus 26 Ganztagsschulen, die zu Referenzschulen erklärt worden sind, erfolgreich an der Bearbeitung konkreter Themen und öffnete die Türen für andere Ganztagsschulen. Jetzt erfährt das Netzwerk eine Neuauflage.

Auf ihrem schleswig-holsteinischen Ganztagsschulkongress "Ganztag zwischen den Meeren" am 16. November 2009 kündigte die Serviceagentur "Ganztägig lernen" Schleswig-Holstein an, das Netzwerk "Erfolgreiches Lernen" ihrer Referenzschulen auszuweiten.

"Ab März 2010 wird es in Schleswig-Holstein erneut ausgewählte Ganztagsschulen mit dem Status von Referenzschulen geben", erklärte Maren Wichmann, die Leiterin der Serviceagentur. "Als gute Beispiele sollen Referenzschulen sowohl erfahrene als auch neu beginnende Ganztagsschulen mit praxisnahen Entwicklungsimpulsen unterstützen. Ausgehend von Ihren eigenen Erfahrungen geben sie Anregungen bei der individuellen Entwicklungen und Umsetzung von Ganztagskonzepten vor Ort. Durch die Zusammenarbeit mit unserer Serviceagentur tragen sie zur Qualitätsentwicklung der Ganztagsschulen und zu ihrer Vernetzung bei."

Die Arbeit mit den Referenzschulen wird durch das IZBB-Begleitprogramm "Ideen für mehr! Ganztägig lernen" unterstützt. Die Serviceagentur koordiniert die Arbeit der Referenzschulen und begleitet das Netzwerk durch Öffentlichkeitsarbeit, Fortbildungen sowie bei Bedarf mit finanzieller und inhaltlicher Unterstützung. Mit der Ausweitung wird eine Erfolgsgeschichte im hohen Norden fortgeschrieben, die vor über zwei Jahren begonnen hat und deren Idee mit dem Motto "Voneinander lernen und die Erfahrungen anderer nutzen" überschrieben ist. Das Abgucken ist dabei "ausdrücklich erlaubt".

Ganztagsschulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten ausgewählt

Der offizielle Startschuss für das Netzwerk "Erfolgreiches Lernen" der Referenzschulen fiel am 28. November 2007: Die damalige Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave zeichnete auf einer Auftaktveranstaltung in Kiel 26 Ganztagsschulen als Referenzschulen aus. Mit dieser Initiative sollte der der Aufbau der Offenen Ganztagsschulen in Schleswig-Holstein zusätzlich erleichtert werden. Ute Erdsiek-Rave erklärte: "So können die Schulen gegenseitig von ihren Erfahrungen profitieren und ihre Ganztagskonzepte weiterentwickeln.

Die Referenzschulen haben sich entschlossen, ihre Ideen und Lösungen zu teilen und anderen Schulen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen." Die Referenzschulen wurden von der Serviceagentur und den beiden Ministerien gezielt dahingehend ausgewählt, dass sie durch ihre vielfältigen Ansätze die Bandbereite der Ganztagsschulen in Schleswig-Holstein widerspiegeln. Andererseits ging es darum, ihre unterschiedlichen Schwerpunkte als Ansprechpartner bei spezifischen Problemen herauszustellen.

In ihren pädagogischen Konzepten haben diese Ganztagsschulen diverser Schulformen wie Grundschule, Gemeinschaftsschule, Haupt- und Realschulen, Gymnasium und Förderschule ganz unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt, mit denen sie ihre Schülerinnen und Schüler intellektuell, körperlich und seelisch stärken wollen. Auch die Kooperation mit außerschulischen Partnern gestaltet sich von Schule zu Schule unterschiedlich - vom Sportverein über die Volkshochschule bis zum Kinderschutzbund.

Sechs Projektgruppen fanden sich

Die unterschiedlichen Schwerpunkte der Referenzschulen wurden auf der Auftaktveranstaltung bereits deutlich, als sie sich in Workshops vorstellten: Eine Schule imponierte durch die Breite des Kooperationsangebots, eine andere mit einem eigenen Koch für die Mensa, eine weitere hält ihre Türen von 6.45 bis 20 Uhr geöffnet.
Zum Beispiel kann die Gemeinschaftsschule Handewitt beim Aufbau neuer Strukturen an anderen Schulen unterstützend helfen, da sie seit Jahren eine Steuergruppe eingesetzt hat, die inzwischen über einen reichen Erfahrungsschatz in der Organisation einer Ganztagsschule verfügt. Die Haupt- und Realschule Bad Bramstedt bindet die Schülerinnen und Schüler in den Entscheidungsprozess an der Schule ein.

Dagegen ist die Grundschule Bickbargen auf vielen verschiedenen Gebieten "Experte": In der Pflege der Kooperationen; dem Überwinden traditioneller Differenzen zwischen einzelnen Berufsgruppen an der Schule durch regelmäßige Treffen und offene Diskussionen; in der verlässlichen Zusammenarbeit zwischen Kita, Schule und Ortsjugendpflege; in der Regelung der verlässlichen Anwesenheit der Kinder; in der Rhythmisierung des Tages und in der Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Schulen vertieften das Kennenlernen in den darauffolgenden zwei Jahren durch Hospitationen und gegenseitige Besuche, gemeinsame Fortbildungen, die Entwicklung von Info-Materialien von Flyern und Stellwänden. Auf vier großen Netzwerktreffen im Januar und Juni 2008 sowie im Januar und Juli 2009 legte man thematische Schwerpunkte fest und ordnete diesen einzelne Arbeitsgruppen zu.

Auf dem ersten Netzwerktreffen im Januar 2008 in Kiel diskutierten die Referenzschulen ihre drängendsten Probleme, um dann zu entscheiden, welche Themen wirklich "unter den Nägeln brennen und sich somit für die Bildung von Projektgruppen empfehlen. Es gründeten sich Projektgruppen zu den Themen "Verzahnung von Vor- und Nachmittag", "Teamarbeit", "Evaluation", "Qualitätsstandards" und gleich zwei zu "Rhythmisierung". Dass sich zur "Verzahnung" eine Gruppe fand, überraschte kaum, hatten doch bereits auf der Auftaktveranstaltung übereinstimmend viele der Schulen die Verbindung von Vor- und Nachmittag als eine "Baustelle" bezeichnet.

Ein Jahr lang an Themen gearbeitet

Diese Gruppen arbeiteten ein Jahr lang zusammen und brachten dann die gemeinsam entwickelten Ideen und erarbeiteten Problemlösungen in das Netzwerk ein. Während dieses Prozess erhielten die Projektgruppen Unterstützung in theoretischen und praktischen Fragen durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Serviceagentur.

Im Juni 2008 präsentierten die Gruppen in Rendsburg die ersten Ergebnisse ihrer Zusammenarbeit der letzten Monate. So widmete sich die Projektgruppe "Verzahnung von Vor- und Nachmittag" mit der Hauptschule Falkenberg in Norderstedt, der Grund- und Gemeinschaftsschule Berkenthin, der Offenen Ganztagsschule Büchen, dem Schulzentrum Büchen, den Theodor-Storm-Schulen in Kiel, der Theodor-Storm Realschule und der Grund- und Hauptschule Schwarzenbek einer entscheidenden Gelingensbedingung: der Zusammenarbeit von Lehrkräften und Pädagogischen Partnern.

Die Projektgruppe "Teamarbeit" hatte ihr Thema auf die Bereiche "Koordination", "Mittagstisch", "Hausaufgabenbetreuung", "Offenes Angebot" und "Nachmittagskurse" heruntergebrochen und arbeitete an Mindeststandards für diese Teilbereiche, die sich an den Punkten "Qualifikation", "Anforderungen" und "Kompetenzen" orientierten.

Fragebögen und Kriterienkataloge entwickelt

Das Team "Qualitätsstandards" mit der Pestalozzischule Eckernförde, der Poul-Due-Jensen-Schule in Wahlstedt, der Offenen Ganztagsschule Bad Bramstedt, der Grund- und Hauptschule Boostedt und der Hauptschule Schäferberg in Bad Bramstedt hatte mit Hilfe eines Kriterienkataloges einen Vergleich der unterschiedlichen Ganztagsschulformen in offene, teilgebundene und gebundene Ganztagsschule angestellt.

In der Projektgruppe "Evaluation" mit dem Förderzentrum Brunsbüttel Pestalozzischule, Offene Ganztagsschule mit Standort Marne, Gemeinschaftsschule Kellinghusen sowie der Offenen Ganztagsschule Büchen hatten die Mitglieder unter der Überschrift "Qualitätsentwicklung an offenen Ganztagsschulen" mehrere Fragebögen entwickelt und auch bereits erprobt.

Die "Bildungslandschaften"-Projektgruppe mit der Grund- und Hauptschule sowie Realschule Oldenburg, dem Förderzentrum Oldenburg, der Realschule der Theodor-Storm-Schulen Kiel und der Dörfergemeinschaftsschule Probsteierhagen widmete sich der Entwicklung eines optimierten Kooperationsmodells für die Offene Ganztagsschule am Beispiel der Grund- und Hauptschule Süsel.

Ganztagsschulen öffneten ihre Türen

Die beiden "Rhythmisierung"-Teams mit der Grundschule Bickbargen, der Grundschule Eichholz, der Albert-Schweitzer-Schule Wedel und der Boy-Lornsen-Grundschule trugen viele Ideen für Tagesstrukturen zusammen. Nach insgesamt einem Jahr Zusammenarbeit trafen sich die Vertreterinnen und Vertreter der Referenzschulen im Februar 2009 in Pinneberg, um die weiter ausgefeilten Ergebnisse der Projektgruppenarbeit vorzustellen. Die Ergebnisse der Projektgruppen wurden nun über das Portal der Serviceagentur und eine Dokumentation der weiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Während der Arbeit der letzten Monate hatten sich die Referenzschulen intensiver kennen gelernt, Erfahrungen ausgetauscht und sich gegenseitig besucht. Die Schulen empfanden dabei besonders die schulübergreifende Arbeit in den Projektgruppen als Bereicherung.

Mit dieser intensiven Arbeit hatten die Referenzschulen ihre "Hausaufgaben gemacht" und konnten sich jetzt mit ihrem Rüstzeug auch anderen Ganztagsschulen zur Beratung und für Hospitationen öffnen. Das zweite Jahr der Schulen stand daher unter der Überschrift "Ganztagsschulen öffnen ihre Türen". Zu je zehn festen Terminen vor und nach den Sommerferien 2009 luden die Netzwerkschulen andere Interessierte zum Kennenlernen ein. Die Serviceagentur, welche die Schulen in der Planung und Organisation wiederum unterstützte, stellte die Schulprofile und die Termine auf ihren Seiten ein. Sämtliche Referenzschulen werden dort mit allem Wissenswerten auf Flyern vorgestellt.

Bildungsminister lobt Referenzschulen

Nachdem sich die Hospitationsidee als erfolgreich herausgestellt hat, können demnächst noch mehr Ganztagsschulen ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit anderen der inzwischen mehr als 400 offenen und gebundenen Ganztagsschulen in Schleswig-Holstein teilen. Die Auswahl der neuen Referenzschulen, die sich bis zum 30. November 2009 bei der Serviceagentur bewerben konnten, erfolgt durch eine Jury, die zusammengesetzt ist aus Vertreterinnen und Vertretern des Bildungsministeriums, des Sozialministeriums und der Serviceagentur "Ganztägig lernen". Bildungsminister Dr. Ekkehard Klug lobte auf dem Kongress die Arbeit der Referenzschulen ausdrücklich: "Gute Praxisbeispiele spielen eine wichtige Rolle, um Qualität zu verbreitern. Deshalb ist es zu begrüßen, dass der Kreis der Referenzschulen auf nun 30 erweitert wird."

 

Autor/in: Ralf Augsburg
Datum: 11.02.2010
© www.ganztagsschulen.org

Die Übernahme von Artikeln und Interviews - auch auszugsweise und/oder bei Nennung der Quelle - ist nur nach Zustimmung der Online-Redaktion erlaubt. Wir bitten bei Zustimmung um folgende Zitierweise: Autor/in: Artikelüberschrift. URL: http://www.ganztagsschulen.org. Datum des Zugriffs: xx.xx.xxxx

Themenmappe