Das baden-württembergische Kultusministerium hat insgesamt 128 Ganztagsschulanträge genehmigt. Es handelt sich dabei um 27 Schulen mit besonderer pädagogischer und sozialer Aufgabenstellung und 101 Ganztagsschulen in offener Angebotsform.
"Damit haben wir einen deutlichen Zuwachs an öffentlichen Ganztagsschulen in Baden-Württemberg zum nächsten Schuljahr. Von Ganztagsschulen profitieren alle Schülerinnen und Schüler durch differenzierte Zusatzangebote. So können auf der einen Seite Leistungsschwächere ihren spezifischen Bedürfnissen nach intensiver gefördert werden. Auf der anderen Seite werden besonders Begabte mit individuell zugeschnittenen Angeboten angesprochen und unterstützt. Für spezifische Interessen von Kindern und Jugendlichen werden darüber hinaus Arbeitsgemeinschaften gebildet. Die Ganztagsschule leistet auch einen Beitrag zur besseren Integration von Migranten in unsere Gesellschaft. Deshalb werden wir das Netz an Ganztagsschulen stetig weiter ausbauen", sagte Kultusministerin Marion Schick.
Unter den 27 Ganztagsschulanträge mit besonderer pädagogischer und sozialer Aufgabenstellung sind neun Grundschulen, zwei Hauptschulen, 13 Werkrealschulen und drei Förderschulen in räumlicher Nähe zu einer Hauptschule mit besonderer pädagogischer und sozialer Aufgabenstellung. Die 101 genehmigten Ganztagsschulanträge in offener Angebotsform wurden gestellt von 37 Grundschulen, drei Hauptschule, 25 Werkrealschulen, 21 Realschulen, 14 Gymnasien und einer Förderschule. Insgesamt 39 Anträge konnten nicht genehmigt werden, da die Rahmenbedingungen der Landeskonzeption wie etwa der erforderliche ausreichende dauerhafte Bedarf nicht erfüllt wurden.
Der Ministerrat hatte am 20. Februar 2006 den Ausbau von Ganztagsschulen an allen öffentlichen allgemein bildenden Schulen im Sekundarbereich I und den Grundschulen beschlossen. Ziel ist, ein flächendeckendes und bedarfsorientiertes Netz von Ganztagsschulen zu schaffen. Für den weiteren geplanten Ausbau der Ganztagsschulen bis zum Schuljahr 2014/2015 stehen insgesamt 1 840 Deputate zur Verfügung.
Das Ganztagsschulangebot in Baden-Württemberg wurde in den letzten Jahren deutlich ausgebaut. Derzeit gibt es insgesamt 1.066 Ganztagsschulen im Land (Schuljahr 2008/2009). Damit hat sich ihre Zahl im Vergleich zu 2004 mehr als verdoppelt. Etwa jede dritte davon ist eine Hauptschule (355 Schulen), jede vierte eine Sonderschule (260 Schulen) und jede fünfte eine Grundschule (228 Schulen). Der Anteil der Gymnasien liegt bei 14 Prozent (150 Schulen), Realschulen sind mit sieben Prozent (73 Schulen) vertreten.
Bei Eltern und Kindern erfahren Ganztagsschule eine hohe Akzeptanz. Allerdings hängt der Zugang zu Angeboten ganztägiger Bildung und Betreuung nach wie vor stark vom Wohnort der Familie ab. Eine aktuelle Analyse der FamilienForschung Baden-Württemberg zum Thema "Ganztagsschulen und Betreuungsangebote an Schulen", die jetzt im Rahmen des Reports "Familien in Baden-Württemberg" veröffentlicht wurde, zeigt, dass sich die Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg deutlich in ihrem Ganztagsangebot unterscheiden. Im Schuljahr 2008/2009 gab es im Stadtkreis Heilbronn (35,6 Prozent) sowie im Landkreis Sigmaringen (34,6 Prozent) anteilsmäßig die meisten öffentlichen Ganztagsschulen, am geringsten war der Ganztagsschulanteil im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (7,8 Prozent) und im Landkreis Heilbronn (6,9 Prozent).
Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung zum Ganztagsschulausbau in Deutschland zeigen außerdem, dass im Hinblick auf die zeitliche und pädagogische Ausgestaltung der Angebote noch Verbesserungsbedarf besteht. Nach wie vor nutzt nur ein kleiner Teil der Schulen den erweiterten Rahmen der Ganztagsschule für eine veränderte und flexiblere Zeitorganisation und eine lerngerechte Rhythmisierung des Schultags. Auch eine bessere individuelle Förderung, die Verzahnung von Unterricht und Betreuungsangeboten, eine höhere Inanspruchnahme von Ganztagsangeboten im Sekundarbereich und eine bessere Vernetzung von Angeboten und Anbietern werden als derzeitige Herausforderungen für die Ganztagsschulen gesehen.